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Uns gibt seid dem 06.08.2009

Stand die Weser unter Strom?

Hundehalterin aus Schweicheln erstattet Strafanzeige gegen Kraftwerksbetreiber in Veltheim

Von Jürgen Gebhard
und Kathrin Brinkmann
Kreis Herford (VZ). »Olli und mein Hund Senta sind nicht ertrunken. Sie sind durch einen Stromschlag ums Leben gekommen.« Davon ist Nicole Hollmann aus Schweicheln überzeugt. Hundebesitzerin
Nicole Hollmann
Nach dem tödlichen Unglück am Freitag (HK, 26. Juni) hat sie ihren Hund zur Obduktion in die Tierklinik Hannover gebracht und Strafanzeige gegen die Betreiber des Kraftwerkes Veltheim gestellt. Angler hätten am Freitag das tragische Geschehen am Kühlwasserzulauf des Gemeinschaftskraftwerkes beobachtet und bei der Polizei zu Protokoll gegeben. »Sie hörten ein lautes Jaulen. Dann sahen sie den leblosen Hund im Wasser. Als Olli ins Wasser rannte, um ihn zu retten, schrie auch er laut auf und fiel sofort um«, berichtet Nicole Hollmann. Das alles habe sich in Bruchteilen von Sekunden abgespielt: »So schnell ertrinkt man doch nicht. Deswegen glaube ich, dass Beide durch Stromstöße der Elektro-Fischscheuchanlage ums Leben kamen.«
Zeugen hätten neun Minuten lang tatenlos zusehen müssen, bis endlich der Strom der Anlage abgestellt war. Oliver K. (40) aus Vlotho und Senta konnten nur noch tot geborgen werden. Sie seien keinesfalls ertrunken, ist sich Nicole Hollmann sicher und verweist auf den am Freitag mit 1,34 Metern sehr niedrigen Wasserstand der Weser: »In Ufernähe, wo sich das Unglück ereignet hat, hätte Olli problemlos stehen können. Es gab auch keine gefährlichen Strömungen.« Außerdem sei ihre neunjährige Hündin - ein Labrador-Schäferhund-Staffordshire-Mischling - sehr durchtrainiert gewesen: »Und eine exzellente Schwimmerin.«
Oliver K. sei so etwas wie der Patenonkel für Senta gewesen. Seit acht Jahren habe er sich, wenn Nicole Hollmann im Urlaub war, um den Hund gekümmert. So auch in der vorigen Woche: »Eigentlich wollten wir bis Sonntag in Österreich bleiben. Aber nach dem Unglück sind wir sofort zurückgefahren.«
Nicole Hollmann hält einen technischen Defekt an der Anlage für möglich: Durch leichte Stromimpulse sollen die Fische daran gehindert werden, in den Kühlwasserzufluss des Kraftwerkes zu gelangen - ähnlich wie bei einem Weidezaun für Schafe. »Ich kann mir das nur so erklären, dass das Wasser die Stromstöße eventuell um ein Vielfaches verstärkt hat«, sagt sie und fragt sich: »Warum stehen an der Unglücksstelle nur zwei kleine Warnschilder? Was passiert, wenn sich Kanufahrer oder Kinder der Anlage nähern?« Auch sei es ein Unding, dass der Zugang durch keinen Zaun gesichert gewesen sei. »Gerade, wo am Wochenende das Unsonst & Draußen-Festival am Kraftwerk stattfindet. Jetzt stehen dort schon in der Nähe die ersten Wohnwagen.«
Die Polizei hat die Akten an die Staatsanwaltschaft Bielefeld weitergeleitet. Oliver K. wurde gestern obduziert. Das Ergebnis steht noch nicht fest. Auch die Untersuchung des toten Hundes wird erst in zehn Tagen Ergebnisse bringen.
Jörg Röthemeier, Geschäftsführer des GKV, möchte sich zum Unglück nicht äußern. Er verweist auf die die Ermittlungsbehörden. Die Fischverscheuchungsanlage an der Weser sei genehmigt und werde regelmäßig kontrolliert. Sie arbeite im Milli-Ampèrebereich. »Wir haben keine Anzeichen, dass sie nicht richtig funktioniert.«


Artikel vom 27.07.2010 Westfallen Blatt Ausgabe Herford

Stromschläge nicht nachweisbar

Düsseldorfer Rechtsmediziner zweifelt die Eindeutigkeit der Obduktion von Olli K. an

Von Kathrin Brinkmann
Kreis Herford (HK). Olli K. (40) aus Vlotho ist ertrunken und nicht an einem Stromschlag gestorben. Das hat die Obduktion seiner Leiche ergeben, wie Polizeisprecher Werner Wojahn aus Minden gestern mitteilte. Bedenken an dieser eindeutigen These äußert Rechtsmediziner Benno Hartung aus Düsseldorf.

Nicole Hollmann aus Schweicheln hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, weil sie nicht glaubt, dass ihr Bekannter Olli K. und ihre Hündin Senta ertrunken sind (HK, 27. Juli). Sie geht davon aus, dass beide durch einen Stromschlag gestorben sind, den sie an der Elektrofischscheuchanlage bekommen haben. Dies scheint der Obduktionsbericht des Mindener Klinikums nun zu widerlegen.
»Für uns zeigt das Ergebnis eindeutig, dass der Mann ertrunken ist und vorher keinen Herzinfarkt erlitten hat«, sagte Polizeisprecher Werner Wojahn. Die Elektrofischscheuchanlage, an der sich das Unglück ereignet habe, werde mit Niedrigvolt betrieben. Sie sei alle vier Jahre von einem Sachverständigen überprüft worden und jedes Jahr vom Kraftwerk Veltheim selbst. »Dabei hat es bisher nie Auffälligkeiten gegeben«, so Wojahn. Ob die Polizei die Anlage nach dem Unglück noch einmal überprüft habe, könne er nicht sagen.
Der Düsseldorfer Rechtsmediziner Benno Hartung ist nicht der Ansicht, dass ein Stromschlag in diesem Fall eindeutig ausgeschlossen werden kann. »Wenn der Strom so großflächig wie bei einer Elektrofischscheuch-Anlage auf die Haut trifft, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man bei der Obduktion überhaupt noch feststellen kann, dass der Mann einen Stromschlag bekommen hat«, sagte er gestern auf Anfrage des HERFORDER KREISBLATTES. Selbst wenn ein Föhn ins Badewasser falle, sei bei einer Obduktion eine Stromeinwirkung an der Haut kaum noch erkennbar.
»Ertrunken ist der Mann auf jeden Fall«, sagt Benno Hartung. Es gebe jedoch zwei Formen von Ertrinken, zwischen denen man unterscheiden müsse. »Das typische Ertrinken dauert lange und geschieht so, wie man es normalerweise kennt. Dann gibt es aber noch das atypische Ertrinken, bei dem der Mann vorher einen Stromschlag gekriegt hat und vielleicht bewusstlos war. Dann müsste er untergegangen sein wie ein Stein«, so Hartung.
In beiden Fällen laute das Obduktionsergebnis auf Ertrinken. »Ich halte es für sehr schwierig bis unmöglich, bei einer Obduktion noch zu erkennen, ob es vorher einen Stromschlag gegeben hat«, so der Rechtsmediziner.
Hundebesitzerin Nicole Hollmann wird ihre Anzeige gegen das Kraftwerk nicht zurückziehen. »Wir warten jetzt erst mal ab, was die Obduktion des toten Hundes ergibt«, sagt sie. »Die Mitarbeiter der Tierklinik haben mir noch einmal bestätigt, dass sie selten so ein muskulöses Tier gesehen haben. Bis so ein Hund ertrinkt, das müsste viel länger dauern als beim Menschen«, sagt sie. Nach der Schilderung der Zeugen könne nur ein Stromschlag zum Tod der beiden geführt haben.

Artikel vom 28.07.2010 WestfallenBlatt Ausgabe Herford

Tod in der Weser:
Akte geschlossen


Vlotho (WB/jg). Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wird keine weiteren Ermittlungen zum Unglück am Kraftwerk in Veltheim anstellen. Der Tod von Oliver K. (40) aus Vlotho sei eindeutig durch Ertrinken eingetreten. Damit schließt sich Staatsanwalt Klaus Metzler dem vorliegenden Obduktionsbericht an. Rechtsmediziner Benno Hartung aus Düsseldorf hatte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT Zweifel an der Aussage der Obduktion gehegt. Ein Stromschlag könne nicht eindeutig ausgeschlossen werden.

Artikel vom 29.07.2010 WestfalenBlatt Ausgabe Herford